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Newsletter Kapitalmarkt- und Bankrecht, FinTechs Issue 1|2022
Leerverkaufsattacken weiter im Trend – S&T AG schon zum zweiten Mal Opfer 

13.01.2022
Am 16.12.2021 wurde ein österreichischer Emittent mit Börsenotiz in Frankfurt erneut Opfer einer Leerverkaufsattacke: Fraser Perring´s Viceroy Research hat einen negativen Research Bericht über S&T veröffentlicht (hier abrufbar: https://viceroyresearch.org/2021/12/16/sant-a-flaws-the-naughty-list/). S&T hat noch am gleichen Tag eine kurze Äußerung zum Viceroy-Report veröffentlicht (hier abrufbar: https://ir.snt.at/news/S-T_AG-_Statement_short_report_by_Viceroy.en.html) und am 28.12.2021 eine detaillierte Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben (hier abrufbar: https://ir.snt.at/news/S-T_AG__STELLUNGNAHME_ZUM_REPORT_DES_SHORT_SELLERS_VICEROY
_R.pdf
).

Der Kurs der S&T-Aktie ist in Folge der Leerverkäufer-Attacke deutlich gefallen. Vor Veröffentlichung des Viceroy-Berichts lag der Aktienkurs bei über EUR 19, danach unter EUR 13. Bis heute hat sie sich nur auf etwas über EUR 14 wieder erholt.

S&T ist bereits zum zweiten Mal Ziel eines Research-Reports eines Leerverkäufers geworden. Bereits 2020 hatte ein Research-Bericht aus UK S&T „angegriffen“. Damit zeigt sich nach den letzten prominenten Fällen in Deutschland, Grenke AG und Adler Group SA, dass sich der Trend zu vermehrten Leerverkaufsattacken im deutschsprachigen Raum weiter verfestigt.

Die kapitalmarkrechtlichen Vorgaben für Leerverkaufsattacken ergeben sich vor allem aus der Leerverkaufsverordnung (Short Selling Regulation, SSR: Verbot ungedeckter Leerverkäufe und Transparenzpflichten etc) und der Marktmissbrauchsverordnung (Market Abuse Regulation, MAR: Insiderverbote, Marktmanipulation, Anlageempfehlungen ect). Zudem können Aufsichtsbehörden auch Leerverkaufsverbote erlassen. Insbesondere auch vor dem Hintergrund der Schmach, derer sich die BaFin im Fall Wirecard ausgesetzt hat, erscheint es zweifelhaft, dass diese wieder eingreift (zur Erinnerung: S&T ist zwar ein österreichisches Unternehmen, aber in Deutschland börsenotiert, weshalb die BaFin zuständig wäre, nicht die FMA). Die Sachlage bezüglich der Vorwürfe in Research-Berichten ist ja meist nicht so eindeutig und schnell zu klären...

Die rechtlichen Vorgaben der SSR und MAR helfen zudem dem Emittenten nicht hinsichtlich des durch den Research-Report (oftmals) verursachten Kursverlustes. Auch eine Intervention der Aufsicht wird, wenn überhaupt, meist zu spät kommen, um den initialen Kursverlust zu verhindern bzw auch nur abzuschwächen.

Vor diesem Hintergrund ist klar, wie „Activism Preparedness“ für Emittenten ist. Ausgangspunkt sollte eine umfassende Risikoanalyse des Emittenten hinsichtlich Leerverkaufsattacken sein. Zudem sollte ein Team von internen und externen Fachleuten aus verschiedenen Fachrichtungen (Kommunikationsberater, Rechtsanwälte etc) gebildet werden, um im Falle einer Leerverkaufsattacke schnell handlungsfähig zu sein. Erhobene Vorwürfe sollten bestmöglich und vor allem auch möglichst rasch aufgeklärt und Missstände beseitigt werden. Transparenz, eine rasche und klare Kommunikation und im Anschluss die sorgfältige, faktenbasierte Darstellung der tatsächlichen Gegebenheiten sind zentral. Zudem sind natürlich auch rechtliche Maßnahmen (Anzeige bei Aufsichtsbehörde/Staatsanwaltschaft, zivilrechtliche Klagen etc) zu prüfen, wenn Zweifel am gesetzeskonformen Handeln des Leerverkäufers bestehen.

Aus Kommunikationsperspektive hat sich zuletzt übrigens Carolin Amann im Finance-TV mit Leerverkaufsattacken beschäftigt: https://www.finance-magazin.de/tv/finanzabteilung/deutschland/ nach-wirecard-unternehmen-muessen-bei-shortseller-attacken-besser-reagieren-5603/.

Vorstehendes ist natürlich nur ein ganz kurzer Abriss zu einer sehr komplexen Materie. In meiner mehrfach prämierten und als Buch erschienenen Dissertation habe ich mich ausführlich damit beschäftigt, wie man sich auf Leerverkaufsattacken vorbereiten kann. Darin findet man auch mögliche Strategien zur Verteidigung gegen solche Attacken (https://www.lindeverlag.at/buch/short-selling-regulierung-in-europa-und-den-usa-18438). Wir werden die Entwicklungen für Sie verfolgen und stehen bei Bedarf gerne parat, Sie bei der Vorbereitung auf Leerverkaufsattacken zu unterstützen.

Dr. Sebastian Sieder